Eine Zugballade

Die Wolken scheinen mitzufahren, 
begleiten uns ein langes Stück, 
doch schließlich bleiben sie zurück, 
die Riesen mit den weißen Haaren,

die Schafe mit dem grauen Flausch.
Es kommen neue Formationen, 
die auch am blauen Himmel wohnen, 
und ich begrüße diesen Tausch. 

Mal sieht es nach Gewitter aus 
mit Schwarz am Horizont,
schon schaut die Sonne wie gewohnt 
aufs abgelegne Bauernhaus.

Der Nachbar liest im dicken Buch, 
schläft dabei immer wieder ein, 
ein kleines Kind läßt es nicht sein, 
kommt immer wieder zu Besuch.

Er lacht es an, hebt träg die Lider 
und nimmt das Lesen wieder auf, 
reckt schließlich seine langen Glieder,
verfolgt im Krimi den Verlauf. 

Ich lausche auf die Fahrgeräusche, 
hör unter mir Räder rollen.
Ob über mir Gewitter grollen? 
Mag sein, daß ich mich darin täusche. 

Die Fahrt – wie eine Fernsehsendung 
mit stets bewegten, neuen Bildern,
nlmmt beim Versuch, sie hier zu schildern, 
in Kurven eine neue Wendung. 

Das Schönste dabei sind Gespräche. 
Die Landschaft zieht derweil vorbei 
am Rhein, dem Fels der Loreley, 
es eilt die Zeit wie schnelle Bäche, 

wie Mosel, Rhein und Neckarfluß, 
wovon die Wanderlieder künden, 
die wir in Liederbüchern finden,
geschrieben, als man ging zu Fuß. 

Mir kommen sie noch in den Sinn, 
bereits als Kind zu Haus gelernt, 
der Zug sich weit davon entfernt, 
man sieht noch manches, schaut man hin: 

Die Blüten, rosa, rosa, weiß,
daraus wird Pfirsichmarmelade 
und Kirschlikör, das denk ich grade. 
Erst muß man pflücken mit viel Fleiß. 

Der Frühling rauscht dem Zug voran. 
Wo Alpen kommen in den Blick 
bleibt er jedoch noch weit zurück, 
er ist ja keine Eisenbahn! 

Ute Pesch
7. April 2009