Der Mond wird zur Leuchte

Die Schwalben gehn lautlos auf Mückenfang,
sie folgen geschwind ihrem inneren Drang,
den Hunger im Fluge zu stillen.
Das liegt in des Schöpfers Willen.

Weiß ist die Wolke am Hochgratkamm,
von einer Gestalt wie das Osterlamm.
Als schaue es zu diesem munteren Treiben,
seh' ich es in dieser Lage verbleiben.

Bis es im rötlichen Abendschein
büßt seine Wolle am Himmel ein,
während der Halbmond nach Westen zieht,
wo der vorletzte Schein der Sonne verglüht.

Ich bin so glücklich! Wie kommt das nur?
In allem seh ich des Herrgotts Spur.
Es ist, als blicke ER durch die Pupillen
vom Herzen aus bis zu den Hochgratrillen,

vor zehntausend Jahren vorn Eis eingeritzt,
noch immer verändert, wenn's donnert und blitzt,
am Steinschlag zu sehen, der rollt und rollt,
während es zwischen den Wolken grollt.

Die Schwalben drehen zur Dämmerstunde
noch unentwegt ihre Mückenrunde.
Nach Hochsommerhitze steigt kühle Feuchte
über die Wiesen. Der Mond wird zur Leuchte.

Ute Pesch
29. Juni 2009