Mairegen

Kein blauer Himmel mehr!
Ein graues Wolkenheer
bringt über Alpenpässe
die lang ersehnte Nässe.

Das Grün wird wieder satt,
die Blätter werden glatt
unter den Nebelschwaden,
die feuchtigkeitsgeladen

die weite Aussicht trüben.
Man muss sich darin üben,
zu finden angenehm,
was gut, doch nicht bequem.

Zwar sagt uns der Verstand:
Gott gießt das trockne Land!
Es war schon höchste Zeit,
wir sind dazu bereit.

Es dennoch schöner ist,
wo du, o Sonne, bist!
Doch ist es jetzt viel besser,
wenn jegliches Gewässer

den frischen Antrieb hat,
als Strom zu fließen glatt,
als Bach sich zu besinnen,
nicht mehr so schmal zu rinnen,

denn die Erneuerung
bedarf der Steuerung
nicht nur durch Wärme,
drum dich nicht härme

du Menschenkind,
wenn dick die Tropfen sind,
denn sie beheben Not,
dass alles kommt ins Lot!

Ute Pesch