Der Herbst als goldne Feier

Der Herbst nimmt in die Zange
den Tag, verkürzt ihn sehr.
Er kühlt nicht nur die Wange,
bringt auch den Nebel her.

Der lagert sich am Morgen
im Tal, wo Bäche laufen,
doch hat er nicht verborgen
den Berg mit Namen Staufen.

Er sucht ihn zu erklettern,
den Kegel zu bezwingen,
dem Wald mit bunten Blättern
die Farbe abzuringen.

Doch schneller als ein Grauer
in Krokodilgestalt
beleckt die letzte Mauer,
ruft schon die Sonne: "Halt!"

Die Wärme saugt und saugt
an allen Nebelschwaden,
bis sie, ganz ausgelaugt,
sind ihrer Kraft entladen.

Aus ihnen werden Schleier,
die sind bald nur ein Hauch.
Der Herbst als goldne Feier
erstrahlt nach altem Brauch!


Ute Pesch
15. Oktober 2011